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Geschichte der SBS

William Rainey Harper (1856-1906)

Willie Harper wurde am 24. Juli 1856 in New Concord geboren. Er war ein besonderes Kind. Schon sehr früh entwickelte er zwei Leidenschaften, Musik und Bücher. Als er drei Jahre alt war, konnte er lesen. Als Zehnjähriger trat er in das Muskingum College ein und schloss sein Studium mit vierzehn ab. Als er die Eröffnungsrede des College gab, tat er das auf Hebräisch. Weil er zu jung war, um sein Studium auf Magister-Ebene fortzusetzen, arbeitete er im Geschäft seines Vater; er gab Klavierunterricht, studierte selbständig weiter und begleitete Studenten im College, besonders beim Hebräischstudium. Da er somit die Gelegenheit hatte zu lehren, suchte er ernsthaft nach der besten Unterrichtsmethode und entschied sich für Induktion, welche er den Rest seines Lebens benutzte.

Als er siebzehn war, ging er zur Yale Universität, und einen Monat vor seinem neunzehnten Geburtstag erwarb er seinen Doktortitel in semitischen Sprachen. Er sprach Hebräisch, Griechisch, Syrisch, Sanskrit und etwa zehn weitere Sprachen. Er wurde Lehrer am Masonic College in Tennessee; dort entdeckte Harper sich selbst. Das Unterrichten erfüllte ihn sehr. Er stellte fest, dass er die Fähigkeit hatte, die Studenten aufzurütteln und für Themen zu interessieren. Ihm wurde klar, dass er zum Lehrer und Gelehrten berufen war.

Als Harper zwanzig war, besuchte er ein Gebetstreffen der Baptisten. Kurz vor Schluss dieser Versammlung stand er auf und sagte: „Ich will Christ sein. Ich weiß nicht, was es bedeutet, Christ zu sein, aber ich weiß, dass ich kein Christ bin, und ich möchte einer sein“. Er akzeptierte die Lehre von Christus, die ihm übermittelt wurde, und wich für den Rest seines Lebens nie von ihr ab.

In den nächsten elf Jahren wurde er in allen Bildungszentren berühmt. Als Dreißigjähriger war er nicht nur als Lehrer, sondern auch als Gelehrter, Organisator, Verwalter und Autor anerkannt. Die Yale Universität bot ihm eine Professorenstelle an. Er nahm die Stelle begeistert an.

Zu dieser Zeit hatte er schon eine Reihe von Sommerkursen und Korrespondenz- kursen entwickelt; diese führte er in Yale weiter. Mehr als 1000 Menschen beteiligten sich an den Korrespondenz- kursen. Er war in Yale außerordentlich erfolgreich. Studenten in seinem Hebräischunterricht sagten, dass Harper eine Begeisterung, „wie sie sie noch nie in ihrem Studium empfunden hatten,“ kreierte. Die induktive Methode, Hebräisch zu lernen, brachte ihm internationale Anerkennung.

Im Juli 1891 akzeptierte Harper eine Stelle als Präsident der Universität von Chicago. Es war ein Schock und Grund zur Trauer für Yale. Vor kurzem wurde ein Brief gefunden, in dem Dr. Harper einem engen Freund schreibt, dass es ein Fehler war, seine Lehrstelle in Yale zu verlassen. Die Führungsaufgaben, die er zu erledigen hatte, ließen ihm keine Zeit zum Unterrichten übrig. Dr. Harper starb im Alter von 49 Jahren, ohne den gewaltigen Einfluss, den er auf einen seiner Studenten ausgeübt hatte, zu kennen.

 

Wilbert Webster White (1863-1944)

Während Dr. Harper noch in Yale war, hatte er einen Studenten als Assistenten namens Wilbert Webster White, der seine Doktorarbeit in semitischen Sprachen unter Dr. Harpers Aufsicht schrieb. Während White in Yale studierte, schickte Dr. Harper eine Umfrage an 1000 Pastoren, in welcher er fragte, was die größte Lücke in ihrer theologischen Ausbildung war. 888 antworteten, dass ihr größter Mangel Kenntnis der englischen Bibel und einer Methode, sie zu studieren sei. White war tief betroffen. Er glaubte, dass Gott ihn berief, etwas gegen den Mangel an Bibelkenntnis unter christlichen Leitern zu unternehmen. Er war der Überzeugung, dass die induktive Methode, die er von Dr. Harper gelernt hatte, ideal war, um die englische Bibel zu unterrichten.

Nach seiner Doktorarbeit in Yale schloss Dr. White sich dem Lehrkörper des Xenia Theological Seminary an, um Hebräisch und alttestamentliche Literatur zu unterrichten. Er passte aber nicht in ihren traditionellen Stil. Dr. Harper hatte ihn mit der Begeisterung des kreativen Lehrens infiziert. Nach vier Jahren verließ er Xenia, und im Jahre 1900, nach viel Gebet und Gottes Versorgung, gründete er eine Schule in New York, in der das Studium der Schrift nach der induktiven Methode die zentrale Stelle im Lehrplan einnahm. Sie wurde später das Biblical Seminary genannt.

Dr. White nannte seine Studienmethode ‚kompositiv‘, weil er glaubte, dass Gottes Schöpfung eine majestätische Komposition ist, dass Gottes Wort das auch ist, und dass jedes Buch der Bibel eine eigene einzigartige Komposition ist. Er glaubte, dass die kompositive Methode „die Methode der Universität ist, und dass das Studium dieser Methode eine Vorbereitung für die höchsten universitären Anforderungen ist. Sie ist für jede intellektuelle Aktivität geeignet.“

Dr. Louis Sweet zollte ihm in einer Ansprache Anerkennung: „Wenn er sein Streben, ein Spezialist in semitischen Sprachen zu sein, nicht bewusst aufgegeben hätte, wäre er zweifellos ein internationaler Gelehrter geworden. Er erfüllte jede Voraussetzung: unermüdlichen Eifer, eine riesige Kapazität für Wissen und einen geordneten Verstand, der die Dinge klar und ganzheitlich erfasste (…) Seine beste Arbeit wurde im Schulraum geleistet.“

Dr. Charles Eberhardt sagte: „Whites Anwendung der Induktion auf das Studium der Bibel bleibt sein größter Beitrag zum Gebiet der theologischen Ausbildung.“

Dr. White starb am 12. August 1944, aber seine Arbeit wird immer noch von seinen Studenten und den Studenten seiner Studenten fortgesetzt. Sie haben die induktive Methode in mehr als 100 Colleges und Ausbildungsstätten und viele Gemeinden eingeführt. Sie wird in der ganzen Welt gelehrt und erweist sich auch in anderen Kulturen als ausgesprochen anpassungsfähig. Dr. Whites Methode wurde nicht als kompositives, sondern als induktives Bibelstudium bekannt, aber das Wesen ist das gleiche.

 

Earl W. Morey

Einer derjenigen, die Whites induktive Methode weiterentwickelten, war Dr. Earl W. Morey. Er berichtet selber:

„1979 war Loren Cunningham zu Gast in unserem Haus in Richmond, Virginia, während er in St. Giles Presbyterian Church sprach. Er bat mich um Rat zur Gründung der University of the Nations, besonders der Fakultät für christliche Dienste. Ich sagte ihm, dass meiner Meinung nach das Hauptproblem aller Lehrpläne von Bibelschulen und Universitäten sei, dass die Studenten nach einem Einführungskurs in das Alte und in das Neue Testament nur wenige Bücher der Bibel studieren, höchstens sieben, normalerweise drei oder vier.

Ich war und bin davon überzeugt, dass man, bevor man Theologie, Kirchengeschichte oder die sogenannte praktische Theologie studiert, ein gründliches induktives Studium der ganzen Bibel machen sollte. Dies könnte man in neun Monaten schaffen, wobei man jedes Buch mindestens fünf Mal lesen würde, es zusammenfasst, analysiert und anwendet. Loren stimmte mir vollkommen zu und fragte mich: „Würdest du nach Kona kommen und die Schule für Bibelstudium für JMEM gründen?“

Nachdem ich darüber gebetet und nachgedacht hatte, war ich überzeugt, dass es Gottes Wille für mich war, als Pastor in St. Giles zu bleiben, aber ich sagte zu, den Lehrplan zu entwickeln und die Reihenfolge der Bücher zu planen, wobei das Neue vor dem Alten Testament studiert werden sollte. Ich sagte auch zu, die ersten der zukünftigen Leiter der induktiven Vorgehensweise auszubilden. Dieses Ausbildungsprogramm wurde später in meinem Buch „Search the Scriptures for Yourself“ beschrieben. Die erste Schule begann im September 1981, und ich war etwa drei Jahre lang Direktor der Schule für Bibelstudium, wozu ich Kona jedes Jahr mehrere Male besuchte.

Ron und Judy Smith waren in der ersten Schule. Ich hatte sie ausgewählt, und sie hatten die Herausforderung, als zukünftige Leiter der SBS ausgebildet zu werden, angenommen. Judy fand während ihres Studiums an der Universität von Virginia durch meine älteste Tochter Debbie zum Herrn. Nach ihrem Studium schloss sie sich St. Giles an und besuchte später Gordon-Conwell Seminary, wo sie Ron kennenlernte. Nachdem sie ihr Studium abgeschlossen hatten, traute ich sie, und Ron wurde Pastor einer Gemeinde in Massachusetts. Wir hatten häufig miteinander zu tun und ich drängte sie, über die Möglichkeit, bei JMEM mitzuarbeiten, nachzudenken. Ich wusste, dass Ron und Judy beide ausgezeichnete Studenten der Bibel und begabte Lehrer waren und war deshalb davon überzeugt, dass sie die SBS in Zukunft leiten sollten. Und das ist, was sie getan haben. Unter ihrer Leiterschaft hat sich die SBS in vielen Nationen etabliert.“

Überarbeitung eines Artikels von Mary Graham (Inductive Bible Study Network), Wilrens Hornstra

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